The Return of the Seifenoper, aber hochkant?
Ich hab die Bezeichnung "Micro Drama" erst wirklich Anfang des Jahres in einem Artikel gelesen. Und dabei dachte ich mir nichts weiter – verknüpfte aber meine Seherlebnisse bei TikTok damit und dachte, es wären einfach Kurzfilme mit Smartphones gefilmt im Hochkantformat.
Doch weit gefehlt, wie mir der Medienfachdienst DWDL in den letzten Tagen aufzeigte. Denn die Redaktion widmet sich seit Anfang Juni mit einer kleinen Artikelserie den vertikalen Dramas bzw. Mikrodramen. Das sind Serien, die ausschließlich für Smartphones produziert und über Social-Media-Plattformen angepriesen werden. Ziel ist es jedoch, die zuschauenden Menschen in eigene Distributions-Apps zu locken, wo sie gegen Abos und/oder Micromoney und In-App-Währungen weitere Folgen einer Miniserie schauen können. Während der Markt in Europa eher noch ein Randphänomen ist, wird China schon als etablierter Markt bezeichnet und auch in den USA und Südamerika sind die Micro Dramas bereits ein interessantes Geschäft. Dabei werden die Serien mit mal 10, mal 40 oder mal 60 Folgen in wenigen Drehtagen und mit viel KI-Unterstützung entwickelt und produziert.
In Deutschland scheint man wieder sehr darauf zu warten, das irgendjemand den klassischen Produktionsfirmen Geld für solche Projekte gibt. Allerdings gibt es mit den Black Forest Studios im Schwarzwald (wo auch sonst bei dem Namen?!) bereits eine erste Firma, die sich mit viel Expertise aus internationalen Werbefilmproduktionen selbst auf den Weg gemacht hat, den Markt in Europa zu etablieren.
Und genau da sehe ich den Ansatz: Seifenopern wurden ursprünglich als kurze Radiogeschichten entwickeln - von werbetreibenen Unternehmen in der Seifen- und Waschmittelindustrie in den USA. Später wurden daraus "Daily Soaps" im Fernsehen.
Nach Deutschland kamen die TV-Serien mit den Australiern. Die Firma Grundy partnerte mit der deutschen UFA und man startete gemeinsam bei RTL die TV-Serie "GZSZ". Es folgten weitere Serien.
2004 ging man mit "Bianca - Wege zum Glück" in der Produktion noch einen Schritt weiter. Es wurde noch mehr Inhalt in noch kürzerer Zeit gedreht für insgesamt 224 Folgen. Eine abgeschlossene Story, mit der auch die Serie ein Ende hatte. Das nannte man dann Telenovela – ein Name und Konzept, das aus Südamerika stammt und dort bis heute sehr sehr erfolgreich ist.
Nun also Micro Drama für das Smartphone. Es wird wieder mit abgeschlossenen Geschichten gearbeitet, jede Episode ist zwar nur 1 bis 3 Minuten lang, aber jede Folge verfügt auch über einen Cliffhanger, der dazu verführen soll, die nächste zu schauen.
Was wäre da also einfacher, als wieder in Richtung Seifenoper zu denken? Heute heißt das dann Brand Content und wird schon umgesetzt. Erste Firmen haben bereits kleine Serien beauftragt und umsetzen lassen, z.B. Sketchers.
Als Nutzer von Social Media freue ich mich auf solche Minidramen. Denn womöglich vertreiben sie das ätzende Dauerverkaufen von jeglichem Temu- oder TikTok-Müll, für den sich Influencer:innen nicht zu doof sind, vor der Kamera den größten Quatsch zu labern.
Empfehle die Artikelserie bei DWDL: Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4