Chabos wissen, was ne geile Bibo ist

Chabos wissen, was ne geile Bibo ist
Bibo - big is beautiful

Wenn man den großen Vorteil hat, mit einer Frau verheiratet zu sein, die nicht nur studierte Linguistin ist, sondern auch nach dem Studium immernoch sehr gern liest, in Bibliotheken geht und einem viel druchgehen lässt, wenn es um kreative Stunts geht, dann hat man auch die Person ganz nah, die einem die Faszination für Bibliotheken näher bringen kann. Ich habe dieses Glück.

Für mich wurden Bibos – wie wir sie früher™ nannten – wieder relevant, als ich meine Herzensdame kennenlernte. Sie studierte noch und ich holte sie gelegentlich von einer der Berliner Bibliotheken ab. Später arbeitete sie als freie Lektorin und wir trafen uns gemeinsam mit unserem ersten Sohn nach ihrer Arbeit, für die sie sich ab und an in Bibliotheken zurückgezogen hatte, um die notwendige Ruhe zu finden.

Als Eltern wurde das allabendliche Vorlesen für unsere Jungs zum Standard. Es wäre die größte Strafe gewesen, wenn wir nicht abends vorgelesen hätten. Beide Söhne wuchsen mit vielen Büchern und Comics auf. Und sobald es möglich war, gab meine Frau ihre Liebe zu Bibliotheken an unsere Kids weiter. Ich lernte ganz nebenbei, dass Bibliotheken längst keine angestaubten Orte mehr waren, wie ich sie in meinen eigenen Schul- und Unizeiten noch wahrgenommen hatte. Meine Frau war dadurch nicht nur eine Influencerin für unsere Söhne, sondern auch für mich. Das führte 2019 sogar zu einer Folge für den medienrot-Podcast, den ich zu dieser Zeit noch produziert habe. Und wie hieß die Folge? Genau: "Chabos wissen was die Bibo kann – Stadtbibliotheken im Medienwandel!".

In diesem Jahr – 2026 – ist die Bibliothek wieder stärker in mein Bewusstsein gerückt worden. Meine Herzensdame nutzte die Gunst der Stunden, dass wir unseren jüngeren Sohn zu seiner Schiedsrichterausbildung begleiteten. Während der Wartezeiten besuchten wir Bibliotheken in der Nähe. Sie stöberte durch die Bücherregale. Ich las vor Ort jedes Mal eine Graphic Novel. Darüber hinaus informierten wir uns über zusätzliche Angebote der Bibos. In Marzahn kann man 3D-Drucke anfertigen lassen, in Lichtenberg haben wir an einem Quizabend für Familien teilgenommen. Meine Frau hat sich inzwischen entschieden, ehrenamtlich in einer nahegelegenen Bücherei dabei zu sein und liest an manchem Samstag Kindern vor.

Unser älterer Sohn ist in diesem Jahr auch wieder häufiger ganz allein in verschiedene Bibos gegangen. Er hat sich dort mit seinen Schulfreund:innen zum Lernen in Vorbereitung auf sein Abitur getroffen. Weg vom heimischen Computer, weg von der Schule – im dritten Ort, der Bibliothek. Wir Eltern haben uns natürlich gefreut.

Heute stolperte ich im Internet über ein Interview bei RBB24.de mit Tabea Zeltner, einer jungen Frau, die an der Zentral- und Landesbibliothek Berlin (ZLB) ihr Referendariat für den höheren Dienst im Bibliothekswesen absolviert. Sie beschrieb genau diesen Wandel hin zum dritten Ort. Die Überschrift ihres Interview lautet "In die Bibliothek kommen nicht nur Boomer". Yep, das kann ich bestätigen.